Korrosionsschutz und Lackierung — aus einer Hand
Eine Erkenntnis aus vielen realen Aufträgen: Beschichtung kommt fast nie allein. Sie kommt gebündelt mit dem geschweißten oder zerspanten Teil. Genau das ist der Vorteil — Sie bekommen die Baugruppe geschweißt, gestrahlt, grundiert, lackiert und dokumentiert, von einem Ansprechpartner und in einer Lieferung.
Schweißen → strahlen → lackieren → dokumentieren
Wer eine Schweißbaugruppe getrennt vom Korrosionsschutz vergibt, koordiniert zwei Lieferketten, zwei Termine und zwei Verantwortliche — und trägt das Risiko an der Schnittstelle selbst. Beim gebündelten Weg übernimmt der fertigende Betrieb die Oberfläche gleich mit, und ich halte die Schnittstelle für Sie zusammen. Das spart Logistik und vermeidet das typische „wer hat den Kratzer verursacht“-Problem.
Oberflächenvorbereitung
Vor der Beschichtung steht die Reinigung: entfetten und strahlen, bis die Fläche zunder-, rost- und fettfrei ist. Der erreichte Reinheitsgrad wird nach ISO 8501-1 angegeben.
- Sa 2
- Gründliches Strahlen — lose Walzhaut, Rost und Fremdschichten weitgehend entfernt.
- Sa 2½
- Sehr gründliches Strahlen — nahezu metallisch blanke Fläche, nur leichte Schattierungen zulässig. Der in der Praxis am häufigsten geforderte Grad.
- Sa 3
- Strahlen bis zum visuell reinen Stahl — gleichmäßig metallisch blank.
Grundierung, Deckschicht, Schichtdicke
Ein typischer Aufbau für Stahlbaugruppen besteht aus einer Grundierung (z. B. ein 2K-Zinkphosphat-Füllgrund, rund 50–60 µm Trockenschichtdicke) und einer Deckschicht (z. B. ein 1K-Alkydharzlack) — in Summe oft etwa 100–120 µm Gesamttrockenschichtdicke, Farbton nach RAL-Vorgabe der Zeichnung. Das sind Beispielwerte; das konkrete System richtet sich nach Ihrer Vorgabe und der Einsatzumgebung. Wichtig ist, dass die Vorgaben aus Ihrer Zeichnung 1:1 übernommen werden — nicht ein „Hausstandard“ des Betriebs.
Welches System für welche Umgebung?
Welches Beschichtungssystem sinnvoll ist, hängt davon ab, wo das Teil steht und wie lange es geschützt sein soll. ISO 12944 ordnet das über Korrosivitätskategorien — von C1 (innen, trocken) über C3/C4 (Stadt, Industrie) bis C5 und CX (aggressive Industrie- oder Offshore-Atmosphäre). Sagen Sie mir die Umgebung und die gewünschte Schutzdauer; daraus ergibt sich das System, nicht umgekehrt.
Was in der Praxis oft übersehen wird
Verbindungsmittel werden üblicherweise verzinkt mitgeliefert; hochfeste Schraubengarnituren (HV) sind gesondert zu betrachten. Mechanisch bearbeitete Pass- und Funktionsflächen bleiben blank — geölt oder maskiert — damit sie ihre Toleranz behalten. Solche Details schreibt ein erfahrener Einkauf in die Bestellung; ich achte darauf, dass sie nicht untergehen.
Nasslack, Feuerverzinkung oder Pulver?
Nicht jedes Verfahren passt zu jedem Teil. Große, geschweißte Baugruppen werden häufig direkt beim Fertiger nass lackiert — das spart einen zusätzlichen Transport zum Verzinker. Feuerverzinkung bietet längeren Grundschutz, ist aber durch Badgröße und Verzug nicht für jedes Bauteil ideal. Pulverbeschichtung lohnt eher bei kleineren, seriennahen Teilen. Ich sage Ihnen ehrlich, welcher Weg für Ihr Bauteil wirtschaftlich und technisch sinnvoll ist.
Gut zu wissen
Was bedeutet der Reinheitsgrad Sa 2½?
Welches Beschichtungssystem brauche ich für den Außeneinsatz?
Bekomme ich die Schichtdicken dokumentiert?
Mehr aus dem Ratgeber
Konkretes Bauteil, konkrete Frage?
Schicken Sie mir Ihre Zeichnung — ich prüfe persönlich, was sich in Ungarn lohnt und welche Nachweise realistisch sind, und melde mich in der Regel innerhalb von 24 Stunden.
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